| Warum? EMV-Situationen lassen sich nur realistisch
beschreiben, wenn man die Wechselwirkungen von Verkabelung
und Umgebung berücksichtigt. In Prüfnormen werden
Testsituationen vorgegeben, die bei unterschiedlichen Kabeltypen
zu Kenngrößen für einen Quervergleich führen.
Eine solche Kenngröße ist der Kopplungswiderstand
(engl. transfer impedance) des Kabelschirms. Je kleiner
er ist, desto besser ist die Schirmwirkung.
An UTP-Kabeln läßt sich der Kopplungswiderstand
nicht messen, weil es schließlich keinen Schirm gibt. Das bedeutet
aber nicht, daß ein Schirm überflüssig wäre. Im Gegenteil:
Ein UTP-Kabel funktioniert nur aufgrund seines hinreichend symmetrischen
Paaraufbaus. Dieser sorgt dafür, daß (erd-)unsymmetrische Störungen
gleichermaßen beide Leiter eines Paars beeinflussen und sich die
Störungen idealerweise gegenseitig aufheben. Dieses Ideal wird in
der Praxis nur ansatzweise erreicht, so daß mit 40 dB Störunterdrückung
gerechnet werden kann. Ein zusätzlicher Schirm hingegen verbessert
diesen Wert um bis zu 60 dB. Das entspricht einem tausendfach besseren
Wert. Dieser gravierende Unterschied läßt sich in realen Datennetzen
im relevanten Frequenzbereich von 1 MHz bis 100 MHz nachmessen - also im
Schwerpunkt der datentechnischen Übertragungsprotokolle.
Anwender sollten in punkto EMV-Sicherheit bedenken: Die
fertig installierten Strecken werden meist mit viel Aufwand überprüft
und dokumentiert, alles in der Überzeugung, einen stabilen Zustand
zu beschreiben. Dabei muß man sich im Klaren sein, daß jede
Nachinstallation in der Umgebung einer UTP-Installation geänderte
Streckenparameter mit sich bringt. Der Grund: ein UTP-Kabel ist im Gegensatz
zu geschirmten Kabeln kein abgeschlossenes System. Sogar zwischen benachbarten
Kabeln sind nennenswerte Nebensprechwirkungen zu messen. In den USA - dem
größen UTP-Markt der Welt - hat man hierfür bereits einen
Begriff gefunden: Alien Crosstalk. Das Problem bei realen Installationen:
dieser Wert wird bei Linktests nicht erfaßt, reduziert aber die Kenngröße
eines passiven Netzes, das ACR, wie ein "normales" NEXT.
Gründe genug, den guten alten Kabelschirm vorerst doch nicht
zu verdammen. Geringfügige Mehrkosten bringen hier
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A K T U E L L |
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IEC-Steckergremium favorisiert RJ-45
Vom 25.-29. Januar 1999 tagten die Normungsgremien
ISO/IEC JTC1 SC25 WG3 und SC48B gemeinsam in Cancun, Mexico.
Ein wichtiges Ergebnis war die Entscheidung, primär
zwei RJ-45-kompatible Stecker-entwürfe für die
Category 7 bis 600 MHz zu fördern. Ein Entwurf basiert
auf flexiblen Leiterplatten als Kontakten (AMP), ein anderer
Ansatz von Alcatel verwendet in den Stecker integrierte
Umschalter. Beide Entwürfe versprechen Cat7-Qualität
auf allen Paaren und volle Rückwärtskompatibilität
zu Cat5 - RJ45.
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