Oft kann die Infrastruktur bleiben
Als die Entwickler von Gigabit Ethernet die Anforderungen an High-speed-Backbones
definierten, haben sie auch an die bestehenden Verkabelungen gedacht. In
vielen Fällen wird es ausreichen, allein die aktiven Komponenten zu
tauschen. Trotzdem muss die installierte Basis
einigen Anforderungen genügen, vor allem, wenn sie auch für
zukünftige Anwendungen noch geeignet sein soll.
Die Entwickler
des derzeit in der Einführung befindlichen Gigabit Ethernet gingen
sehr früh der Frage nach, ob und wie ein bestehendes LWL-Netz (LWL:
Lichtwellenleiter) auch für dieses Hochgeschwindigkeitsprotokoll verwendet
werden kann. Die amerikanische TIA (Telecommunication Industries Association)
bildete bereits 1996 eine Taskgroup 2.2, die einen Rundversuch mit den
seinerzeit marktverfügbaren LWL-Fasern durchführte. Sie untersuchte
zum Beispiel, wie Multimode-Fasern darauf reagieren, wenn sie bei einer
Übertragungsrate von 1 GBit/s mit einem Laser angeregt werden. Parallel
dazu entwickelte IEEE 802.3z die Systemstandards, die heute unter der Bezeichnung
1000Base-SX und 1000Base-LX bekannt sind. Die dort zugrunde gelegten Anschlussreichweiten
basieren auf den in der installierten Basis anzutreffenden Glasfasern.
Dem Betreiber ausgedehnter Backbones werden die überbrückbaren
Reichweiten mit Multimode-Fasern kurz vorkommen, und schon mehren sich
die Anwender, die bereit sind, sich auf eine Zukunft mit Singlemode-Fasern
im lokalen Netz einzustellen. Bei Neuinstallationen
von LWL-Backbones bieten sich dem Errichter heute jedoch Alternativen,
bei denen er ohne große Zusatzinvestitionen eine einfach zu handhabende
und zukunftssichere Verkabelung realisieren kann, wenn er entsprechend
hochwertige Fasern einsetzt. Mit diesem Hintergrundbericht sollen Netzbetreiber
Bewertungsmaßstäbe an die Hand bekommen, um ihre individuelle
Netzwerkinfrastruktur möglichst wirtschaftlich konzipieren zu können.
GRUNDLAGEN
Seit den frühen Entwicklungen der LWL-Technik haben sich im Wesentlichen
zwei Typen von Lichtwellenleitern durchgesetzt: die Multimode-Faser (MM-Faser)
mit Gradienten-Indexprofil (das heißt, der Brechungsindex verändert
sich kontinuierlich im Faserquerschnitt) und die Singlemode-Faser (SM-Faser)
mit Stufen-Indexprofil (nur zwei verschiedene Brechungsindizes, wobei der
Kern zur Übertragung dient). Die MM-Faser kann mit preiswerten LEDs
angeregt werden, zeigt jedoch übertragungstechnische Nachteile auf
größeren Strecken, die wesentlich durch die Laufzeitunterschiede
der Moden (Moden-Dispersion) hervorgerufen werden. |